Herr der Poster - Hollywoods berühmtester Plakatkünstler

Drew Struzan begann 1975 mit dem Design von Filmplakaten. Zuerst entwarf er nur Plakate für diverse B-Movies, aber 1977 kam schließlich sein großer Durchbruch, als er das Plakat für "Krieg der Sterne" entwerfen durfte. Durch diesen Erfolg wurden andere Filmstudios auf ihn aufmerksam und er bekam nun häufiger den Auftrag, Plakate zu erstellen. Insgesamt entwarf er über 150 Filmplakate, darunter unter anderem die Plakate für die Indiana Jones Filme, die Star Wars Reihe, für Police Academy und viele andere.


Geboren am 14. Mai 1947 in Oregon, begann er mit 18 Jahren am Art Center College of Design in Los Angeles zu studieren. Als ein Studienberater mit ihm über seine Zukunft sprach und ihm sagte, dass er als bildender Künstler zwar freier sein würde, jedoch als Illustrator deutlich mehr Geld verdienen würde, fiel die Wahl leicht: "Ich muss etwas zu Essen haben", so Struzans kurze und knappe Antwort.

Innerhalb von fünf Jahren hatte er den Bache­lor of Arts Abschluss mit Auszeichnung in der Tasche und verdiente sich nebenher durch Kunstaufträge ein kleines Zubrot. Er beendete auch ein zweijähriges Master-Studium mit Erfolg. Schließlich kehrte er später noch einmal als Dozent in seine Universität, die nun nach Pasadena verlagert worden war, zurück.

Drew Struzan Poster Art

Frühe Karriere

Über seine Karriere sagt Struzan: "Ich war arm und hungrig, und Kunst war der kürzeste Weg zu einer Scheibe Brot. Ich hatte nichts als Kind und musste mit Bleistiften auf Toilettenpapier zeichnen - das einzige Papier, was greifbar war. Wahrscheinlich ist es das, weshalb ich Zeichnen so liebe, weil es alles war, was ich zur damaligen Zeit hatte."

Nach seinem Abschluss blieb Struzan in Los Angeles, und nach einer Empfehlung der Arbeitsagentur fand er einen Job als Personalkünstler für das Designstudio "Pacific Eye & Ear". Dort begann er, Album­cover unter der Leitung der Gestalterin Ernie Cefalu zu zeichnen. In den nächsten 5 Jahren arbeitete er an Album­cover von vielen Künstlern, unter ihnen Tony Orlando and Dawn, The Beach Boys, Bee Gees, Roy Orbison, Black Sabbath, Glenn Miller, Iron Butterfly, Bach, Earth, Wind and Fire und Liberace.

Unter anderem illustrierte Struzan auch das Albumcover für Alice Coopers "Welcome to My Nightmare", welches das "Rolling Stone" zu den 100 besten Albumcovers aller Zeiten kürte. Trotz der wachsenden Nachfrage, verdiente Struzan zu der Zeit maximal 150$ bis 250$ pro Cover.

Airbrush-Poster

Star Wars Circus PosterZusammen mit einem Freund aus der Filmindustrie gründete Struzan eine kleine Firma namens "Pencil Pushers". Diese Zu­sammenarbeit sollte acht Jahre andauern. In dieser Zeit verfeinerte er seinen unverwechselbare Posterstil unter Verwendung der Airbrush-Technik, welche ihn später berühmt machen sollte. Im Jahre 1975 fertigte er seine ersten Filmplakat-Arbeiten an, diese aber noch hauptsächlich für die sogenannten B-Movies. Sein Talent war nun immer mehr gefragt und so arbeitete er 1977 erstmals am Plakat eines großen Science-Fiction-Films, der ihn und seine Arbeit in der Öffentlichkeit nachhaltig etablierte.Ein Künstler­kollege Struzans, Charles White III, ebenfalls bekannt für seine Airbrush-Fähig­keiten, war von David Weitzner, dem Vizepräsident der Werbeabteilung bei 20th Century Fox, wegen eines Auftrags für einen Plakatentwurf für das Re-Release von "Star Wars" (1978) kontaktiert worden. Da Portrait-Malereinen nicht unbedingt zu Whites Stärken gehörten, bat er Struzan um Hilfe in diesem Projekt. Also malte Struzan die mensch­lichen Charaktere in Ölfarben und dazu alle mechanischen Einzelheiten dieses Plakates.

Der einzigartige Plakatentwurf, auch "Circus"-Plakat genannt, sah aus als wäre es zerrissen und auf einen Sperrholz-Hintergrund aufgebracht. "Es war notwendig, dies zu ergänzen", erklärt Struzan. "Sie fanden heraus, dass es nicht genug Platz für die Typografie gab. Wie können wir also mehr Platz auf einem Poster generieren, welches bereits gedruckt ist? Lass uns so tun, als wäre es geschrieben worden, dann können wir die Typografie unter dem tatsächlichen Plakat setzen. Wir malten Obi Wan an die Seite um es am unteren Ende breiter und tiefer zu machen."

Drew Struzan bei der Comic Con International 2012 in San Diego.Im Laufe der 70er und 80er Jahre produzierte Struzan unter anderem Plakate für Filme wie "Blade Runner", "The Thing", "Auf dem Highway ist die Hölle los", "Police Academy", "Zurück in die Zukunft", "E.T.-Der Außerirdische", "Das Muppet Movie", "Feivel" und "Die Goonies". In den Achtziger Jahren entwarf Struzan etwa zehn Poster im Jahr.

Während dieser Zeit setzte er die Arbeit mit George Lucas fort: Von der ursprünglichen Gestaltung des Logos von Lucas' Firma "Industrial Light & Magic" über die Plakate der "Star Wars"-Saga bis hin zu den "Indiana Jones"-Filmen. Ein besonderes Merkmal seiner Arbeiten war, die visuelle Botschaft der Filme darin rüberzubringen. Er zeichnete sich ebenfalls verantwortlich für die Cover von verschiedenen Medien, insbesondere  DVDs, Bücher und Videospiele.

Digitale Welt

Mit dem Aufkommen von Computern und digitaler Bildretusche, die nun häufig bei Plakatentwürfen zum Einsatz kamen, wurde Struzan durch den Rückgang der traditionell dargestellten Plakatkunst beeinflusst. Während er weiterhin für Filme wie "Hellboy" und "Harry Potter"  Plakate zeichnete, schritt er gleichzeitig neue Wege ein: Mit Comic-Büchern, limitierten Kunstgemälden und Sammlerstücken weitete er sein Produktportfolio aus. Er kreierte beispielsweise Franklin Mint Sammlerplatten, in welchen sich ein zwölfteiliges Set zur Erinnerung an Prinzessin Diana befand, die Verpackung für das Parker Brothers Brettspiel "Cluedo" und US-Briefmarken.

Struzan beklagt des öfteren den Rückgang der tradi­tionellen Kunst: "Ich liebe die Textur der Farbe welche aus  der Erde kommt und von Öl welches aus den Bäumen stammt. Ich liebe den Ausdruck von Farbe an einem Pinsel oder mit Hand verschmierter Kohle, die Tropfen von Farbe und Wasser, der Geruch der Materialien. Ich erfreue mich an der Wandelbarkeit eines Gemäldes im Morgenlicht oder am Nachmittag, wenn die Sonne in der Nacht ein Gemälde orange färbt oder durch Feuerschein verwandelt. Ich liebe es zu sehen, zu berühren, zu riechen und es zu kreieren. Mein Geschenk ist es, mein Leben zu teilen, indem ich anderen Zugang zu meinem Herzen und meinem Geist mit solchen greifbaren, verständ­lichen und vertrauten Mitteln verschaffe. Das Malen ist ein Teil des Ausdrucks."

Von 1995 bis 1997 wurde Drew Struzans Arbeit  für George Lucas und Steven Spielberg in Japan anlässlich einer Reihe von Einzelausstellungen gezeigt, welche allesamt sehr erfolgreich waren. In einer Ausstellung im Jahre 1999 mit dem Titel "Drew: Art of Cinema" präsentierte Struzan über 65 Stücke seiner Kunst im Norman Rockwell Museum in Stock­bridge, Massachusetts.

Für die Veröffentlichung von "Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung", regelte George Lucas vertraglich die Nutzungsrechte an Struzans Plakat. Dieses Cover  war das einzige, für ausländische Händler zur Nutzung freigegebene Motiv. Verän­derungen am Artwork wurden untersagt.

Nach der s/w-Skizze wird die Farbe per Airbrush aufgetragen.Struzan bei der Skizze des Filmposters Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung.Ruhestand?

Nach Abschluss der umfangreichen Arbeiten an der Kampagne von "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" kündigte Struzan am 3. September 2008 seinen Ruhestand an. Im Jahr 2009 produzierte er jedoch in Zusammenarbeit mit Jim Sanders von Reel Ideas  eine DVD "Conceiving and Creating the Hellboy Movie Poster Art" als eine Schritt-für-Schritt Dokumentation seiner kreativen Arbeit und den von ihm angewandten Techniken. In einer Ausstellung im Februar 2009 mit dem Titel "Drew Struzan: An Artist‘s Vision" in der Galerie Nucleus in Alhambra (Kalifornien) präsentierte er ausgewählte Kunstwerke in seiner ersten öffentlichen Ausstellung seit 10 Jahren.

Drew Struzan Bücher, von oben: Oeuvre, The Art of Drew Struzan, The Movie PostersIm selben Jahr produzierte Struzan anlässlich des 50-jährigen Jubiläum von Mattels Barbie-Puppe ein Poster für die Ver­öffentlichung im "Kurv"- Magazin. Vier Jahre später erschien die DVD "The Man behind the Poster", eine Dokumentation über die Arbeit Drew Struzans mit Interviews vieler Weggefährten, u.a. Steven Spielberg, George Lucas und Michael J. Fox.

2015 kehrte er aus seinem Ruhestand zurück und kreierte unter anderem das Poster zum Film "Star Wars - Das Erwachen der Macht".

Michael J. Fox und Christopher Lloyd stellten sich als Modelle des Filmposters von Zurück in die Zukunft II 1989 zur Verfügung. Beide waren beeindruckt von der Arbeit des Künstlers.Kreativer Prozess

Am Anfang der Projekte beginnt Struzan mit Skizzen auf einem vorher mit Gips und Kreide behandelten Zeichenbrett. Danach färbt er die Zeichnung mit Airbrush-Acrylfarbe.Highlights und andere Details setzt er mit Farbstiften und Airbrush, falls nötig. Durch das vorherige Auftragen der Gips-Kreide-Mischung ist er jederzeit in der Lage, allen erforderlichen Än­derungen an der Arbeit gerecht zu werden. Er arbeitet im Maßstab 1:1 der Größe eines Filmplakates, das die  Maße von ca. 27" x 40" (68,58 cm x 101,6 cm) aufweist. Struzan arbeitet sowohl mit Referenz-Fotografien als auch mit Live-Modellen, dabei unter anderem auch mit Bildern von sich selbst, Familienmitgliedern oder Freunden in gewünschter Pose. Die Anordnung der einzelnen Bildteile obliegt ihm selbst. Außerdem ist er Er ist bekannt für seine Schnelligkeit bei der Arbeit: Ein Gemälde dauert in der Regel ein bis zwei Wochen.

Lesenswert

Das erstmals 2004 erschienene und 2011 neu aufgelegete Buch "Oeuvre" umfasst auf 314 Seiten die besten und berühmtesten Arbeiten von Drew Struzan. Dieses Werk weist neben knapp 250 großformatigen Bildern auch ein Vorwort von George Lucas auf. Der Text stammt von Drew und seiner Frau Dylan. Alle Highlights seiner Karriere sind enthalten: Neben den Filmplakaten finden auch Buchcover, Briefmarken, Sammelkarten, Werbematerial und persönliche Arbeiten ihren Platz. Die definitive Kollektion seiner Arbeit und ein intimer Blick auf sein Vermächtnis.

Ein weiteres Buch befasst sich ebenfalls mit der gesamten Portfolio-Palette des Künstlers. Der Unterschied zu "Oeuvre" liegt in den kürzeren Texten und der geringeren Auswahl an Abbil­dungen. Zum Leidwesen vieler Fans fehlen hier auch einige berühmte Filmplakate. Der Text stammt von Struzan selbst und David J. Schow, bekannt unter anderem als Co-Drehbuchautor des Kultfilms "The Crow" mit Brandon Lee. Das Vorwort hier schrieb Regisseur Frank Darabont.

Das erste auf dem Markt erschiene Buch über die Arbeiten von Drew Struzan heißt "The Movie Posters". Es wurde bereits 2004 veröffentlicht und ist seit mehreren Jahren vergriffen, weil die nachfolgenden Bücher unter anderem all das beinhalten, was auch Teil dieses Buches war. Das Vorwort schrieb wie auch schon bei "Oeuvre"-Regisseur und Star-Wars-Erfinder George Lucas.



Drew Struzan Portfolio-Auszug

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