Die Indiana Jones Geschichte

Indiana Jones - wer ist das eigentlich? Er ist ein Held, aber kein Supermann. Er ist durchtrainiert, aber nicht unverwundbar. Er ist besessen von der Archäologie und von der Jagd nach seltenen Reliquien. Sein eiserner Wille und seine unglaubliche Ausdauer sind seine stärksten Verbündeten. Aber er weiß auch, wo seine Grenzen liegen, wann er aufhören muß. Er ist der Held, der auch einmal einen Fehler macht - zu dem er aber steht, für den er die Konsequenzen trägt und dessen Konsequenzen er mit vollem Einsatz wieder rückgängig machen will.

Der Revolver ist eines der Dinge, auf die sich Indy verläßt. Einprägsamer und unverwechselbarer noch ist die mächtige Bullenpeitsche, vor der seine Gegner aus gutem Grund die Flucht ergreifen: Sie ist eine blitzschnelle Waffe und gleichzeitig ein universell einsetzbares Hilfsmittel, mit dem Indy sich zum Beispiel über einen Abgrund schwingen kann. Trotz höchster Gefahr, selbst wenn eine tonnenschwere Felstür seinen Arm zu zerquetschen droht, schnappt er die Peitsche und befreit sich wie selbstverständlich.

Harrison Ford mit Steven Spielberg, George Lucas und Kate Capshaw in einer Drehpause vom Tempel des Todes.Indiana Jones vereinigt alles, was ein erfolgreicher Leinwandheld benötigt: Er ist stark, männlich, intelligent und trägt das Herz am rechten Fleck. Drei Männer stehen hinter dem Mythos Indy: Der Schauspieler Harrison Ford, Regisseur Steven Spielberg und Produzent George Lucas.

Kaum vorstellbar, daß Harrison Ford gar nicht die Wunschbesetzung des Films war. Erst als Tom Selleck wegen seiner ersten Magnum-Drehtage absagen mußte, fiel die Wahl auf Ford. Heute scheint er mit dem beigefarbenen, schweißgetränkten Hemd gleichsam verwachsen zu sein: In den Augen der Zuschauer sind Harrison Ford und Indiana Jones zu einer Identität verschmolzen. Für den im Privatleben äußerst scheuen Hauptdarsteller bedeutete die Rolle des Abenteurers den endgültigen Durchbruch in seiner Schauspielerkarriere.

Regisseur Steven Spielberg mit Produzent George Lucas.Nach vielen vergeblichen Jahren in Hollywood hatte er mit der Rolle des "Han Solo" in "Krieg der Sterne" seinen ersten großen Erfolg. Aber erst als Indiana Jones stieg Harrison Ford in die Riege der absoluten Top-Stars auf. "Erfunden" wurde der Indy-Mythos von Produzent George Lucas. In enger Zusammenarbeit mit Regisseur Steven Spielberg entwickelte er die Figur des Indiana Jones. Äußerst geschickt haben die Wunderknaben Hollywoods ihre Geschichte in den 30er Jahren, der Zeit der Abenteuer, angesiedelt: Damals hatten Kate Capshaw, Steven Spielberg, George Lucas, Harrison Fordder Dschungel, der Orient oder die Küste Afrikas noch etwas Geheimnisvolles, Unbekanntes - ein Tummelplatz für eine Menge von Sonderlingen, Hasardeuren und Glücksrittern.

Das "Böse" verkörpern die Nazis, die wie Indiana Jones hinter geheimen, verlorenen oder geraubten Schätzen herjagen. Ihnen ist zur Erreichung ihrer Ziele jedes Mittel recht. Trotz des immensen Aufwandes, den sie betreiben, ist Indiana Jones am Ende immer eine Idee schneller. Die schwierigen, schier unlösbaren Situationen, in die der Held mit dem Filzhut immer wieder gerät, bieten den Hintergrund für ein Action-Stakkato ohnegleichen. Neben den Nazis sind es die Gefahren aus alter Zeit, die auf Indiana Jones lauern: Fallen zum Schutz von Gräbern, Riten aus grauer Vorzeit, geheime Gänge oder vergessene Geheimnisse - alles muß er erkunden und zahllose Abenteuer bestehen. Spielberg inszeniert von der ersten bis zur letzten Einstellung Action: Peitschen-Indy kann zeigen, was er kann - muß immer das Letzte geben. Ob eine Geisterbahntournee in einer Lore oder eine wilde Verfolgungsjagd auf dem Motorrad - immer ist die Kamera hautnah dabei.

Die Handlung, die in den 30er Jahren spielt, wird mit der modernsten Kinotechnik in Szene gesetzt. Neben der schauspielerischen Leistung bestechen die drei Filme vor allem durch ihre technischen Tricks, die riesigen Bauten und die imposanten Schauplätze. Wochenlang wurden die Drehorte gesucht, Hunderttausende wurden in Bauten investiert, die oft nur wenige Minuten im Bild zu sehen sind.

Steven Spielberg und George Lucas hatten schon vor Indiana Jones mit immensem Erfolg Filme ins Kino gebracht. Spielberg hatte mit "Der Weiße Hai" alle Einspielrekorde gebrochen und war kurze Zeit darauf von Lucas mit "Krieg der Sterne" sogar noch überholt worden. Beide galten damit als Hollywoods Wunderkinder.

Als am 15. Mai 1980 die Dreharbeiten zum ersten Indy-Film, "Jäger des verlorenen Schatzes", in den Londoner Elstree Studios beginnen, ist dem Film schon eine ganze Geschichte vorausgegangen. Einige Zeitungen haben zum Beispiel geschrieben, daß dieser Film eine Fortsetzung von "Krieg der Sterne" sein werde. Daran können zahlreiche Dementi auch nichts ändern. Andere Blätter glauben schon zu wissen, daß eine ganze Serie in Planung sei.

Harrison Ford und Steven Spielberg bei der Besprechung der Eröffnungszene aus Jäger des verlorenen Schatzes.In einem Punkt ist sich fast die gesamte Presse einig: Nach den riesigen Erfolgen der beiden Männer hinter dem Projekt, George Lucas und Steven Spielberg, zweifelte kaum jemand in der Branche an einem neuerlichen Kino-Hit. Regisseur Spielberg und Produzent Lucas ergänzten sich auf ideale Weise: Lucas ist es gewohnt, bei seinen Filmen exakt mit dem Budget auszukommen. Ihm wird dagegen vorgeworfen, er vernachlässige die künstlerische Freiheit. Diese hat sich Spielberg als Regisseur immer genommen - ohne Rücksicht auf das Budget des Filmes. Den beiden Freunden gelingt es bei Indiana Jones, die guten Eigenschaffen eines Jeden zu kombinieren. Die Indy-Filme sind so nicht nur exzellentes Unterhaltungskino, sondern auch ein Beispiel für eine gelungene Teamarbeit zwischen Regisseur und Produzent.

Der Plan der beiden Hollywood-Wunderknaben ist es, einen Erfolg zu erzielen, größer als James Bond, mit einer Story voller Okkultismus, Mystik und Geheimnisse der 30er Jahre. Dazu gehörte ein Held aus dieser Zeit: Indiana Jones verfolgt immer hochgesteckte Ziele. Er verliert dabei aber nicht das Augenmaß: Er bleibt menschlich, seine Härte wird niemals zum Selbstzweck. Hat er ethische oder moralische Zweifel, kann er zurückstecken, sogar vorübergehend aufgeben - ohne Rücksicht auf seine eigene Person, gar sein Leben.

Mit Harrison Ford haben sie die ideale Besetzung gefunden: Nicht nur können sich alle Zuschauer mit dem sympathischen Typ identifizieren, sondern Harrison Ford bringt auch sein gesamtes Engagement in die Rolle ein. Er überarbeitet mit Regisseur Steven Spielberg das Drehbuch - mit dem Ziel, der Rolle eine eigene Identiät zu geben und sie vor allem von seiner Darstellung des Han Solo in "Star Wars" abzugrenzen.

Fords Engagement geht sogar so weit, daß er in vielen gefährlichen Stunt-Szenen, für die ein professioneller Stuntman vorgesehen ist, selbst einspringt: So vermitteln die drei Indy-Filme in vielen Bereichen die ungeheure Echtheit und einen packenden Realismus.

Steven Spielberg bei den Dreh-Vorbereitungen.Trotz allem bleibt Indiana Jones eine Kunstfigur, wenngleich auch eine der sympathischsten der Filmgeschichte. Nach dem großen Erfolg von "Jäger des verlorenen Schatzes" gibt es zahlreiche Versuche, den Kinoerfolg nachzuahmen. Keine der Kopien erreicht jedoch die Qualität des Originals, Indiana Jones bleibt einfach unverwechselbar.

So gibt es auch ein riesiges Aufatmen unter den Fans, als im März 1983 die Dreharbeiten zur Fortsetzung "Indiana Jones und der Tempel des Todes" beginnen. George Lucas verrät auch "sein" Geheimnis für den Erfolg: Wenn er eine der Traumfiguren der Filmgeschichte einmal wirklich sein könnte, dann würde er Indiana Jones wählen. Kein Wunder.

Eine Film-Idee wird geboren

Der Strand von Hawaii im Mai 1977: George Lucas und Steven Spielberg verbringen gemeinsam ihren Urlaub und bauen Strandburgen. Die beiden jungen Filmemacher haben sich ein kleines Spiel ausgedacht: Je nachdem, wie die Strandburgen den Wellen widerstehen, werten sie dies als Vorzeichen für Erfolg oder Misserfolg eines Filmes.

George Lucas hat gerade die Arbeiten an "Krieg der Sterne" abgeschlossen. Er ist ganz gespannt, ob der phänomenale Anfangserfolg des Science Fiction-Filmes auch in der Folgezeit anhalten wird. Daß alle seine Hoffnungen und Wünsche durch den tatsächlichen Erfolg übertroffen werden, ahnt er höchstens. Steven Spielberg hat gerade den "Weißen Hai" Ins Kino gebracht - den zu diesem Zeitpunkt noch erfolgreichsten Kinofilm aller Zeiten. Eigentlich müßte er befürchten, daß sein Freund George Lucas ihn in den nächsten Wochen als erfolgreichster Regisseur aller Zeiten ablösen wird. Doch seine Gedanken drehen sich vor allem um sein neues Projekt "Unheimliche Begegnung der dritten Art".

Aber beide sind auch nach Hawaii gekommen, um Urlaub zu machen, und so sprechen sie viel über alte Wünsche und Pläne in weiter Zukunft. Spielberg erzählt Lucas, daß er schon immer einen James-Bond-Film drehen wollte. Lucas ist schon weiter: er arbeitet bereits an einem derartigen Projekt.

Voller Begeisterung erzählt er Spielberg von dem Archäologie-Professor aus den 30er Jahren, der auf der Suche nach verlorenen Schätzen zahllose Abenteuer zu bestehen hat. Es ist der Kindheits- und Jugendtraum von George Lucas, seine Sehnsucht nach einem Helden - fern von all den Problemen des Alltags. Ähnlich wie bei Bond sollen viele exotische Schauplätze und ausgefallene Tricks den Zuschauer fesseln. Auch der Name des Titelhelden ist schnell gefunden, benannt nach dem Hund aus dem Hause Lucas: Indiana!

Regisseur und Hauptdarsteller bilden ein kongeniales Duo.Zunächst gibt es noch eine Schwierigkeit für die Zusammenarbeit: Lucas hat das Projekt schon dem Regisseur Philip Kaufmann versprochen. Aber hier kommt der Zufall zur Hilfe: Kaufmann will andere Projekte verwirklichen und steigt aus - Spielberg greift sofort zu.

Von den ersten kreativen Tagen in Hawaii bis zum Start des Films in den Kinos vergehen mehr als vier Jahre. Trotz der langen Vorbereitungszeit muß oft genug in letzter Sekunde entschieden werden. Erst kurz vor Drehbeginn fällt so auch die Entscheidung für Harrison Ford als Hauptdarsteller. Unter seinem Einfluß werden noch wichtige Teile des Drehbuches umgeschrieben.

Die entscheidende Unterredung zwischen Spielberg und Ford über das Drehbuch findet erst im Flugzeug statt, während beide zum Drehbeginn von Los Angeles nach London unterwegs sind. Zu diesem Zeitpunkt hat George Lucas die künstlerische Gestaltung seines "Babys" überwiegend an Steven Spielberg abgegeben - ohne jedoch die Kontrolle über das Projekt zu verlieren. Spielberg schöpft die künstlerischen Möglichkeiten voll aus und schafft es mit der kreativen Hilfe von Harrison Ford, die Träume von Lucas mit Leben zu füllen.

Lucas und Spielberg hatten sich schon als unbekannte Kinofans kennengelernt. Sie galten seit langem als Kino-Verrückte, die fast alles gesehen haben, was jemals auf Zelluloid gebannt wurde. Fasziniert waren beide schon immer von den kurzen Fortsetzungsfilmen, die in den 40er Jahren wöchentlich in den Vorprogrammen der Kinos liefen. Die sogenannten Cliffhanger waren, ähnlich wie zahlreiche Comic Strips, immer nach dem gleichen Strickmuster aufgebaut: Am Ende jeder Episode war der Held in einer ausweglosen Situation - hing förmlich über einem Abgrund, drohte hinunterzustürzen.

Harrison Ford und Karen Allen am Set von Jäger des verlorenen Schatzes.Genau in diesem Moment ertönte die Stimme des Sprechers: Wird unser Held sich aus dieser Situation befreien können, wird er überleben? Oder wird der schier übermächtige Feind nun endgültig triumphieren? Erst in der nächsten Woche konnte der Held sich selbst befreien oder wurde befreit - oft genug in einer kaum nachvollziehbaren, haarsträubenden Weise. So blieb aber die Spannung erhalten und das Publikum kam Woche für Woche wieder, um die neue Auflösung zu sehen. Zum Teil wurden diese Fortsetzungsfilme auch im deutschen Fernsehen gezeigt (Flash Gordon, Zorro etc.).

Vor diesem Hintergrund begannen Lucas und Spielberg gemeinsam, ihre Hauptfigur "Indiana Jones" ins Leben zu rufen. Nach kurzer intensiver Arbeit war Indiana Jones geboren - nach dem bewährten Strickmuster: Immer wenn der Held sich aus der schier unlösbaren, lebensbedrohenden Situation gerettet hat, gerät er gerade dadurch in ein neues, noch gefährlicheres Abenteuer.

Bei der Ausgestaltung des Helden Indiana Jones konnte Spielberg gegenüber Lucas ein ganz entscheidendes Charakteristikum durchsetzen: Indiana Jones sollte nicht - wie von Lucas geplant - ein eleganter Playboy sein, der bei den Damen leichtes Spiel hat. Spielberg setzte vielmehr den Universitätsprofessor durch, der in einer typisch unordentlichen Welt lebt. Schnell einig wurden sich Lucas und Spielberg dann bei der Ausgestaltung des Abenteurers Indiana Jones: der irre Typ Im verschwitzten Hemd, mit Peitsche und Colt.

Natürlich haben Lucas und Spielberg auch in diesem frühen Stadium der Filmvorbereitung nicht allein an dem Projekt gearbeitet. Aber trotz vieler Helfer - vom Drehbuchautor bis zum Trickberater - hatten die beiden Väter von Indiana Jones zu jedem Zeitpunkt die Kontrolle über das Projekt und vor allem ganz detaillierte Vorstellungen, wie der Film später einmal aussehen sollte. Gerade darin liegt wohl das Geheimnis für den außerordentlichen Erfolg der drei Filme. Trotz der genauen Vorbereitungen von Produzent und Regisseur waren die beiden über den phänomenalen Erfolg von "Jäger des verlorenen Schatzes" selbst überwältigt. Schon wenige Tage nach Kinostart Ende Juli 1981 zeichnete sich ab, daß Indy zu einem der erfolgreichsten Steifen der Kinogeschichte werden würde.

Harrison Ford beim Dreh der Anfangssequenz zu Der Tempel des TodesDie Stars aus Tempel des Todes: Harrison Ford, Kate Capshaw und Jonathan Ke Quan.Hollywoods Wunderkinder haben es erneut geschafft: Sie haben bewiesen, daß ihre naive Kreativität, gepaart mit einem absoluten Hang zum Perfektionismus, eine Garantie für den Kinoerfolg ist.

Seit den ersten gemeinsamen Planungen am Strand von Hawaii im Mai 1977 waren inzwischen mehr als vier Jahre vergangen. Lucas und Spielberg waren in der Zwischenzeit mit ihren eigenen Projekten ebenfalls äußerst erfolgreich gewesen.

Umso beeindruckender ist es, daß sie sich zusammen über den gemeinsamen Erfolg derart freuen konnten. Ihre Zusammenarbeit bei Indy blieb keine Eintagsfliege; Neben einer Reihe von nicht unbedeutenden Projekten konzentrierten sie ihre Teamarbeit auf den zweiten und dritten Teil der Indiana-Jones-Serie.

Sicherlich war es keine leichte Aufgabe, mit einem zweiten Teil eines Filmes einen Erfolg zu wiederholen. In einem Gespräch mit Cinema verriet Steven Spielberg seine Strategie bei der Fortsetzung: Für die Einführung des Helden brauchte er bei "Indiana Jones und der Tempel des Todes" keine Zeit mehr zu verschwenden.

Spielberg versuchte stattdessen, von der ersten bis zur letzten Einstellung Action zu inszenieren. Dies ist umso erstaunlicher, da Spielberg gerade eine ganz andere Art von Film fertiggestellt hatte: E.T. Darin läßt sich die hohe Professionalität des Regisseurs erkennen. Spielberg kann seine Art, Handlung ins Bild zu setzen, den Gegebenheiten von Buch, Schauspielern oder auch gewünschtem Publikum ideal anpassen. George Lucas hatte keine Schwierigkeiten gehabt, Steven Spielberg als Regisseur des zweiten Indy-Filmes zu gewinnen. Spielberg hatte damals aber ganz klar gesagt, er werde auf keinen Fall an einer dritten oder gar vierten Folge beteiligt sein.

Er wollte einen zweiten, noch besseren Indy-Film drehen, aber nicht als Serien-Regisseur in die Filmgeschichte eingehen. Dieser Vorsatz hielt gerade bis Anfang 1984, und Spielberg kündigte an, er werde auch beim dritten Teil der Indy-Saga Regie führen - nicht einmal ein halbes Jahr, nachdem er den zweiten Indy-Film abgedreht hatte. Nicht nur die Zuschauer, auch die Filmemacher können anscheinend nicht so leicht vom Indy-Fieber loskommen.

Ein derart professionelles, hoch motiviertes Team scheint wohl einer der entscheidenden Gründe für den riesigen Erfolg der drei Indy-Filme zu sein: George Lucas, der seine liebste Traumfigur auf die Leinwand bringen will, Steven Spielberg, der die turbulentesten Action-Szenen der Filmgeschichte schaffen will, Harrison Ford, der es einfach liebt, mit zwei Profis zusammenzuarbeiten, unter deren Führung er sich ideal entfalten kann.

Indy mit Willie und Shorty bei Dreharbeiten in der Lore.Indiana Jones: Die Fortsetzungen

Schon bei den ersten Indy-Vorbereitungen denkt George Lucas an mehrere Teile. Ob tatsächlich von Anfang an - wie oft berichtet - fünf Folgen vorgesehen waren, läßt sich im Nachhinein schwer klären - zu viele Anekdoten werden jetzt selbst von den Indy-Vätern um die Entstehungsgeschichte aufgebaut. Sicher aber ist: "Jäger des verlorenen Schatzes" ist ein derartiger Kassenerfolg, daß Lucas und Spielberg zwangsläufig eine Fortsetzung ins Auge fassen müssen. Darüber hinaus hat Harrison Ford einen Vertrag für mindestens drei Indy-Filme unterschrieben, und "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" Regisseur Steven Spielberg ist auch weiterhin begeistert von der Geschichte und der damit verbundenen Möglichkeit, zahlreiche packende Actionszenen ins Bild umzusetzen. Alle drei Männer hat das Indy-Fieber gepackt.

Am Set gab es immer viel zu lachen: Harrison Ford mit Schauspielkollege John Rhys-Davies.Die Voraussetzungen für die jetzt vorliegende Trilogie sind also ausgezeichnet. Äußerst geschickt werden die Handlungen aller drei Folgen miteinander verwoben. Auch wenn der Zuschauer eines einzelnen Indy-Films keine Schwierigkeiten hat, dem jeweiligen Film zu folgen - den höchsten Genuss erlebt der Indy-Kenner, der jeden kleinen Seitenhieb, jede amüsante Querverbindung zu einer anderen Folge schmunzelnd erkennen kann. Wer eine Folge gesehen hat, will alle sehen.

Die Stars von Indiana Jones

Wie kaum ein anderer Darsteller versteht es Harrison Ford, eine Filmfigur mit Leben zu füllen. Er verwandelt sich mit Mimik, Bewegung und Auftreten total in seine Rollen. Die Figur des Indiana Jones war für Harrsion Ford eine besonders große Herausforderung. Das Indy-typische Pokerface nachvollziehbar zu spielen, ohne daß es zur Farce wird, sieht er als eine der schwierigsten Aufgaben seiner schauspielerischen Karriere an. Und tatsächlich überzeugt er: Man glaubt sie ihm sofort, die stahlharten Nerven, die Zähigkeit und die Unbekümmertheit, mit der er die aufregendsten Abenteuer an den exotischsten Schauplätzen dieser Welt besteht.

Ford ermöglicht dem Kinobesucher die totale Identifkation mit dem abenteuerlichen Archäologie-Professor aus den 30er Jahren. Der Zuschauer freut sich mit ihm, zittert um ihn in einer ausweglos erscheinenden Situation und kann - zu guter Letzt - mit Indy beim Happy-End aufatmen. Ford spielt die Rolle als einen positiven, nachvollziehbaren Charakter. Die Entscheidungen von Indy werden dadurch immer menschlich einleuchtend und vernünftig. Der Held mit der Peitsche steuert nicht nur blind auf sein Ziel zu.

Harrison Ford mit Steven Spielberg am Set von Indiana Jones und der letzte Kreuzzug.Es ist ohne Frage Fords Verdienst, Indy so glaubhaft und verständlich zu gestalten. Er gab der Figur Witz und Humor, sowie jene unvergleichliche selbstironische Distanz. Ford betont auch immer wieder die ungeheure Freude, die ihm die Darstellung des Abenteurers aus den 30er Jahren macht. Gerne sieht er auch über die großen Strapazen hinweg, die ihm die Dreharbeiten abverlangen. Nicht nur von Journalisten, sondern insbesondere auch von seinen Kollegen erntet Ford deswegen immer wieder hervorragende Kritiken und fast überschwengliches Lob. Regisseur Steven Spielberg verglich Ford schon mit Errol Flynn und Humphrey Bogart.

Sicherlich ist die gute Zusammenarbeit zwischen Regisseur Spielberg und Indy-Darsteller Ford eines der Geheimnisse für die außergewöhnliche schauspielerische Leistung des Hauptdarstellers. Spielberg ermöglichte es Ford immer, in die Entscheidungsprozesse während des Drehens einzugreifen. Mit dem nötigen Fingerspitzengefühl hat Ford dann seine Ideen mit eingebracht.

In den ersten Entwürfen zum Drehbuch hatte Indy noch eine sehr große Ähnlichkeit mit der Rolle des Han Solo in "Krieg der Sterne". Harrison Ford wollte aber auf keinen Fall auf diesen einen Typ festgelegt werden. Außerdem war er der Überzeugung, daß die Rolle von Indiana Jones eine Eigenständigkeit im Ausdruck und im Charakter benötigte. Da Ford erst kurz vor Drehbeginn als Hauptdarsteller ausgewählt wurde, hatte er nur wenig Zeit, vorab Einfluß zu nehmen. Sicherlich war die schon erwähnte Besprechung mit Steven Spielberg im Flugzeug der entscheidende Beginn für die Mitgestaltung des Charakters durch Harrison Ford.

Dreharbeiten zu Jäger des verlorenen Schatzes.Für die Dreharbeiten von Indy Teil 1 waren neben der Wüste von Tunis und der französischen Atlantik-Küste die Londoner Elstree-Studios ausgewählt worden. George Lucas hatte das traditionsreiche Atelier schon für die aufwendigen Studioaufnahmen für "Krieg der Sterne" gebucht. Trotz aller Vorbehalte gegen das Essen, das Wetter und vor allem die Gewerkschaften in Großbritannien war die Wahl - vor allem aus wirtschaftlichen Gründen - wieder auf "Old England" gefallen.

Während Ford und Spielberg nebeneinander von Los Angeles nach London flogen, wurde jede Szene, jede Einstellung und jede einzelne Zeile des Drehbuches besprochen. Bei der Ankunft in London hatten Spielberg und Ford die identische innere Einstellung zu Charakter und Rolle von Indiana Jones: Diese Übereinstimmung der beiden bildete die Basis für das kontinuierliche Ausarbeiten der Rolle während der Dreharbeiten.

Die Filmaufnahmen werden von allen Beteiligten als ein großes Erlebnis beschrieben: Immer wieder machte Ford neue Vorschläge, wie eine Szene gespielt, wie ein Dialog geführt oder wie eine Stuntaufnahme angelegt werden sollte. Steven Spielberg war klug genug, alle Anregungen in Ruhe anzuhören und in vielen - wenn nicht sogar in den meisten - Fällen zu übernehmen.

Selbst Harrison Ford war vor "Jäger des verlorenen Schatzes" noch kein Weltstar. Für ihn bedeutete diese Rolle sicherlich den absoluten Durchbruch. Neben seiner Hauptrolle in den Indy-Filmen fällt es jedem anderen Schauspieler sehr schwer, seine Talente zu entwickeln. Die zahlreichen hektischen Verfolgungsszenen sind besser ein Einsatzgebiet für Stuntmänner und Stuntfrauen als für Charakterdarsteller. Dennoch haben Spielberg und Lucas, Regisseur und Produzent, in jedem der drei Filme immer exzellente Bühnen-, Fernseh- oder Filmschauspieler eingesetzt.

Karren Allen als Marion Ravenwood.In allen drei Indy-Filmen gibt es jeweils eine andere Frau an der Seite von Indiana Jones. In "Jäger des verlorenen Schatzes" verkörpert Karen Allen Indys Heldin Marion Ravenwood. Karen Allen spielt mit Marion eine zupackende, resolute Partnerin, die sich ebenso wie Indy selbst vor nichts scheut. Marion ist eher der Kumpel, nicht das zu beschützende Weibchen. Im Gegensatz dazu die Indy-Partnerin in "Indiana Jones und der Tempel des Todes": Kate Capshaw spielt die Nachtclub-Sängerin Willie Scott, einen sehr weiblichen Typ. Sie ist zickig und ziert sich vor all den Abenteuern, in die sie gar nicht geraten wollte. In vielen Szenen ist sie Indiana Jones ein echter Klotz am Bein. Daraus ergeben sich eine ganze Reihe von amüsanten Szenen, die es Harrison Ford wie auch Kate Capshaw ermöglichen, ihr schauspielerisches Talent voll zu entfalten.

Alison Doody beim Dreh mit Harrison Ford, Steven Spielberg und George Lucas.In "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" erhält die weibliche Partnerin nochmals eine neue Farbe: Alison Doody spielt die Archäologin Dr. Elsa Schneider, die sich im Laufe der Handlung als Nazi entpuppt. Zum ersten Mal ist die hübsche weibliche Hauptrolle in einem Indy-Film zum Lager der Bösen zu rechnen - auch wenn sie Indiana Jones liebt. Dr. Elsa Schneider fürchtet scheinbar niemanden und gar nichts; sie ist geradezu besessen, den heiligen Gral zu besitzen. Letztendlich muß sie dafür mit dem Leben bezahlen.

Die Darsteller der sogenannten Bösewichte der drei Indy-Filme sind von Spielberg und Lucas mit besonderem Bedacht ausgewählt worden. So verkörpert zum Beispiel der indische Schauspieler Amrish Puri als Todes-Priester Mola Ram (in "Indiana Jones und der Tempel des Todes") den Prototyp des religiösen Fanatikers, Seine Grausamkeit und seine Besessenheit lassen jeden Zuschauer erschaudern - eine hervorragende Leistung des Inders.

Paul Freeman spielt den Bösewicht in Jäger des verlorenen Schatzes.Perfekt besetzt sind ebenfalls Paul Freeman als hinterlistiger Archäologe in Indy Teil 1 und Julian Glover als der geldgierige Industrielle Walter Donovan in Indy Teil 3. Für die Schauspieler ist die Darstellung eines eindeutigen Schurken besonders schwierig: Kein Funke an Sympathie darf aufkommen.

Steven Spielberg im Tempel des Todes.Prägend für den Indy-Mythos sind auch die Weggefährten von Indiana Jones in seinen drei Filmen, Marcus Brody ist sein Chef und gleichzeitig sein Freund. Der Kurator des Museums wird von dem britischen Charakterdarsteller Denholm Elliot verkörpert. Immer zur Stelle, wenn es notwendig scheint, das ist Indys ägyptischer Freund Sallah, gespielt von John Rhys-Davies. Diese beiden Rollen sind auch die einzigen die in mehr als einem Indy-Film vorkommen - ausgenommen natürlich Indiana Jones selbst.

In "Indiana Jones und der Tempel des Todes" taucht eine neue Art von Weggefährte auf: der chinesische Junge Short Round, kurz genannt Shorty. Er bringt in den Film eine besondere Leichtigkeit und Fröhlichkeit. Die große Beliebtheit des Shorty-Darstellers Ke Huy Quan bestätigt die Entscheidung, eine zusätzliche Identifikationsfigur für die jungen Zuschauer in die Handlung einzubauen. Spielberg und Ke Huy QuanDabei zeigt Regisseur Spielberg auch sein ungeheueres Talent beim Umgang mit "sehr jungen" Darstellern. Dieses Talent, Kinder und Jugendliche realistisch und wirklichkeitsnah vor der Kamera agieren zu lassen, hat Spielberg ja auch bei E.T. perfekt umgesetzt.

Harrison Ford und Sean Connery besprechen letzte Details mit Steven Spielberg.Für "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" haben sich Lucas und Spielberg eine ganz besondere Idee einfallen lassen, um neue Zuschauer ins Kino zu locken. Für die Rolle des Vaters von Indiana Jones wurde Sean Connery engagiert, ein Schauspieler mit einem klingenden Namen beim Kinopublikum ab dreißig: Indy 3 ist ein Film für Vater und Sohn, für die ganze Familie.

Die Figur des ergrauten, aber doch noch recht rüstigen Dr. Henry Jones zeigt Sean Connery in einer bisher weniger gewohnten Rolle. Der ehemalige James-Bond-Darsteller ist nun nicht mehr selbst der Held, sondern "nur" der Vater des Helden. Connery bringt in die Rolle seine typische Ironie.

Nach Ansicht eines amerikanischen Kritikers verschafft er damit einem Indy-Film zum ersten Mal auch einen schauspielerischen Höhepunkt. Sicherlich ist dieses Urteil etwas unfair gegenüber der Leistung von Connerys Schauspielerkollegen. Aber auf jeden Fall bringt die Rolle von Vater Henry dem Film eine neue schauspielerische Dimension.

Henry Jones ist im Gegensatz zu seinem Sohn ausschließlich Wissenschaftler und damit ein wenig weltfremd. In den vielen Verfolgungsjagden ist er zunächst verwunderter Statist, der seinem Sohn noch zusätzliche Schwierigkeiten macht. Dennoch bleibt er liebenswert mit seinem Bemühen, das Beste zu tun. Aber der alte Mann kann schnell lernen und rettet ein ums andere Mal seinem bedrohten Sohn das Leben.

Vater und Sohn gefesselt beim letzten Kreuzzug.Sean Connery schafft es, dabei in der Rolle des Dr. Henry Jones besonderen Witz und besondere Intelligenz zu zeigen: So ist zum Beispiel Indiana Jones vor einem heran fliegenden, wild schießenden Nazi-Flugzeug fast verloren. Scheinbar von allen guten Geistern verlassen stürmt Vater Jones mit aufgespanntem Regenschirm in Richtung des herannahenden Flugzeuges. Plötzlich erkennen Indy und die Zuschauer die geniale Idee: Henry Jones scheucht eine große Schar von Vögeln auf, die mit dem Flugzeug kollidieren und es zum Absturz bringen - die ungewöhnliche Rettung ist einer der größten Lacherfolge des Films.

Viel spielt sich auch ohne Worte ab: Ein Augenzwinkern oder eine freundliche Geste - Connery kann im Zusammenspiel mit Ford in wenigen Sekunden mehr vermitteln als andere Schauspieler in ganzen Stücken. "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" ist eine weitere Bestätigung des Satzes: Mit Connery ist es wie mit einem alten Wein - er wird mit den Jahren immer besser.

Unvergessen ist Connery auch heute noch in seiner Paraderolle als James Bond. Mehr als ein halbes Dutzend Mal verkörperte er den britischen Agenten mit der Lizenz zum Töten. Dann wurde er der Rolle überdrüssig und sah sich nach ernsteren Rollen um. Vor allem mit Filmen wie "Der Name der Rose", "Die Unbestechlichen" und "The Rock" konnte er sich deutlich vom Bond-Image lösen.

Sehr hilfreich ist nun auch das reifere Aussehen: Connery kann jetzt auch den älteren Herrn verkörpern, dessen wilde Jugendjahre nun endgültig vorbei sind. Gerade in dieser Rolle findet er eine ganz neue Stärke, wie es "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" beweist.

 


Einspielergebnisse

Jäger des verlorenen Schatzes 354.000.000 US-Dollar
Indiana Jones und der Tempel des Todes 333.100.000 US-Dollar
Indiana Jones und der letzte Kreuzzug 474.200.000 US-Dollar

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